Brückenbau: Fünf Strategien um die Kommunikationskluft zwischen den Generationen zu schließen

Gastblog von unserem Partner Nate Regier

 

Brückenbau:
Fünf Strategien um die Kommunikationskluft zwischen den Generationen zu schließen

Nach Aussage des Amts für Arbeitsmarktstatistik werden 2020 fünf Generationen parallel im Arbeitsmarkt aktiv sein. Wenn die Altersstruktur in Unternehmen diversifizierter wird, müssen Firmen mögliche belastende Auswirkungen auf Kommunikation und Weiterentwicklung verstehen und wissen, wie sie diese überwinden können.

Historisch betrachtet konnten Arbeitnehmer [in den USA] mit 65 die vollen Rentenansprüche wahrnehmen. Diese Altersgrenze wurde jetzt auf 67 angehoben, was viele Arbeitnehmer zwingt, länger als geplant zu arbeiten. Seit die Lebenserwartung kontinuierlich steigt, arbeiten mehr Menschen als zuvor mit irgendeiner Art von Aufgabe auch im Ruhestand weiter.

Eine Umfrage zu Karriereentwicklung 2015 ergab, dass 54 % der älteren Arbeitskräfte nach Eintritt in den Ruhestand wieder in die Arbeitswelt zurückkehren.

Wenn so viele Menschen unterschiedlichen Alters zusammenarbeiten, ist es natürlich, dass es etwas holpert. Fehlender Respekt zwischen Generationen kann oft aufflackern, wenn man sich mehr auf die Unterschiede als auch die Stärken und Fähigkeiten konzentriert, die jede Generation einbringt.

Gegenwärtig umfasst die Arbeiterschaft drei Generationen: Baby Boomers, Generation X und die Millenials. Jede dieser Generationen ist in einer etwas anderen Kultur groß geworden , mit entscheidenden Ereignissen, die für sie prägend waren. Hier ist eine kurze Beschreibung für jede dieser Generationen.

  • Baby Boomer: Sie schätzen Fairness und Individualrechte, persönliche Entwicklung und Meinungsfreiheit. Sie sind eigenmotivert, wenn sie von Dingen Besitz ergreifen können, Anerkennung erfahren und das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Sie empfinden, dass sie durch ihre Eltern aus der Veteranen Generation beurteilt oder zurückgesetzt wurden und sind von daher empfindlich gegenüber Feedback und fühlen sich mit Konflikten unwohl.

  • Generation X: Sie bevorzugt Diversity, Spaß, Selbstvertrauen und unkonventionelle Herangehensweisen. Sie ist bereit dazu, hart zu arbeiten, aber nicht, übervorteilt zu werden. Die Generation X ist die erste Generation, die gleichmaßen eigen- und fremdmotivert ist. Sie orientiert sich an ihren Werten und Wünschen und beherrscht es in gleichem Maße, auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren. Sie ist gleichermaßen verantwortungsbewusst und reaktionsstark.

  • Millennials: Sie sind hartnäckig, heroisch, clever und technisch versiert. Sie besitzen Selbstwirksamkeit und glauben an ihre Fähigkeiten, alles zu bewältigen, was ihnen in den Weg kommt. Dies könnte der Grund dafür sein, dass 72 % der Millenials den Eindruck haben, dass ihr gegenwärtiger Arbeitgeber ihre Fähgikeiten nicht voll nutzt. Grundsätzlich werden Millenials durch Herausforderungen, durch Tun, durch bedingungslose Akzeptanz und durch Veränderung motiviert.

Unterschiedliche Motivationsfaktoren, Fähigkeiten und Ziele kann es für ein Team schwer machen, optimal zusammenzuarbeiten.

Ohne offene Kommunikation in der generationsübergreifende Arbeitnehmerschaft kann es noch schlimmer kommen. Drama kann sich ausbreiten und ganze Büros übernehmen.

So kann zum Beispiel ein Baby Boomer erleben, wie ein smarter Millenial schnell die Karriereleiter hochsteigt und argumentieren, dass dies nicht fair ist, zumal der Millenial viel weniger Erfahrung hat als er selbst. Dies kann schnell weitere negative Vermutungen auslösen, dass das Management ihn übersieht, dass er in der Firma nicht erwünscht ist, oder dass er nicht respektiert wird und ersetzt wird. Um das Drama am Arbeitsplatz zu besänftigen, hier fünf Strategien, die die Kommunikation zwischen allen Generationen in der Arbeitnehmerschaft verbessern:

  1. Motivationsfaktoren und Einflüsse jeder Generation verstehen: Einige Beschäftigte können vielleicht gemeinsame Merkmale und Tendenzen zwischen den Generationen erkennen, aber wenige werden verstehen, wie diese Muster entstehen. So ist die Generation X beispielsweise die erste Generation, deren Eltern ihnen alles geben konnte, was sie wollte, ohne dass die Kinder dafür arbeiten mussten. Aus diesem Grund legt diese Generation grundsätzich viel Gewicht auf Spaß. Diese Generation erlebte allerdings auch explodierende Scheidungsraten bei ihren Eltern, so dass oft Angst vor Verlassenwerden und Unsicherheit da ist.
  2. Allgemeine Kommunikationspräferenzen erkennen: Sich über Forschungsergebnis­se über Kommunikationspräferenzen, Motivationsfaktoren und Einflüsse der Generatio­nen auszutauschen ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines besseren Miteinanders der Beschäftigten. Dieser Informationsaustausch kann auch den Dialog in Teams, unter Managern und Mitarbeitern öffnen, sich über ihre persönlichen Kommunikationspräfe­renzen auszutauschen und zu diskutieren, wo der Schnittpunkt mit Generationsstereoty­pen ist.
  3. Unterschiede im Team akzeptieren: Über Generationsunterschiede hinweg auf persönliche Kommunikationspräferenzen zu schauen und über diese zu sprechen, kann zu einer gemeinsamen Basis führen. Meist gibt es aber doch Unterschiede im Arbeits- und Kommunikationsverhalten. Mitarbeiter müssen die Bedeutung von Teams mit unterschiedlichen Stärken, Schwächen und Präferenzen hervorheben.
  4. Lebenslanges Lernen im Fokus haben: Erfolgreiche Arbeitnehmer und Unternehmen legen gleichermaßen Wert auf lebenslanges Lernen und Entwicklung. Fünf Generatio­nen, die 2020 zusammenarbeiten, schaffen riesige Möglichkeiten für kollegiales Lernen. Technikaffine Millenials können genutzt werden, um älteren Beschäftigten entsprechen­de Fähigkeiten und neue Plattformen beizubringen, während die Boomer historisches Wissen über die Firma und die Industrie haben, die die Millenials sonst nur in Büchern nachlesen könnten.
  5. Mentorbeziehungen entwickeln: ein Kultur zu entwickeln, die in lebenslangem Lernen wurzelt, kann durch Mentorbeziehungen erreicht werden. Solche Beziehungen sind in beide Richtungen nützlich und können für beide Seiten emotional lohnend sein. Solche engen Beziehungen dienen auch dazu, Vertrauen und Respekt zu entwickeln, die sich dann schnell weiter verbreiten können.

Manche Generationen haben schon Großeltern, die neben Teenagern arbeiten. Die potenziellen Herausforderungen, die damit verbunden sind, sind ebenso zahlreich wie die Vorteile. Wenn Organisationen fähig sind, proaktiv die Kommunikationspräferenzen jeder Generation zu verstehen, sich auszutauschen und zu diskutieren, dann sind sie auch dafür ausgerüstet, die Stärken ihrer gesamten Arbeitnehmerschaft zu nutzen, um ihr Business voranzubringen.

(Ursprünglich veröffentlicht im Training Magazine und in Nate Regier’s Blog – Five Strategies for Bridging The Communication Gap Between Generations)


Über Dr. Nate Regier
Dr. Nate Regier ist  Mitgründer,  Miteigentümer und CEO von Next Element, einer global tätigen Unternehmenberatung, die sich darauf spezialisiert hat, in Organisationen eine Kultur der Compassionate Accountability zu schaffen. Als ehemals praktizierender Psychologe, ist Regier Experte für sozial-emotionale Intelligenz und Führung, für positiven Konflikt, für Körper-Geist-Seele umfassende Gesundheit, für Neuropsychologie, Gruppendynamik, zwischenmenschliche Kommunikation und Führungskommunikation, für Executive Assessment und Coaching, Organisationsentwicklung, Teambuilding und Veränderungsmanagement. Als international tätiger Berater ist Nate Regier, zertifizierter Leading Out of Drama® Master Trainer, Process Communication Model® Certifying Master Trainer und Mitentwickler des Next Elements Leading Out of Drama® Trainings und Coachings. Nate Regier hat zwei Bücher veröffentlicht: Beyond Drama und sein jüngstes Buch, Conflict without Casualties.

Wie gut sind Sie im Luftlesen?

… eine interkulturelle Herausforderung!

Hand aufs Herz – wie gut sind Sie im Luftlesen? Sie wissen nicht was „Luftlesen“ ist? Dann sind Sie vermutlich in einer westlichen Kultur aufgewachsen. In Asien gehört diese Kunst quasi zum Tagesgeschäft. „kuuki yomenai“ oder kurz „KY“ ist japanisch  und bedeutet: „kann nicht die Luft lesen“ und das gilt nicht gerade als Leistungsmerkmal. Wer ein „KY“ ist, erkennt nicht die Botschaft „zwischen den Zeilen“, hat kein Gespür für die Atmosphäre in einem Raum oder zwischen Menschen, oder ob ein bestimmtes Verhalten möglicherweise unangemessen ist.
Während die Kunst des „Lesens der Luft“ in den meisten westlichen Kulturen i.d.R. als persönliche Kompetenz einzelner Menschen betrachtet werden kann, ist es im asiatischen Teil unserer Welt ein wichtiger Teil der Kultur – jeder muss es können und lernt es schon von Kindesbeinen an.

Die Erfahrungen Interkultureller Kommunikation nutzen

Betrachten wir die Kommunikationsweisen westlicher und asiatischer Kulturen genauer, wird der Unterschied deutlich: während die westliche Kommunikation darauf ausgerichtet ist die Botschaft nur durch präzise, einfache und klare Worte zu übermitteln, bezieht die asiatische das Repertoire der non-verbalen Kommunikation mit ein. Es ist also nicht nur entscheidend WAS gesagt wird, sondern es ist ebenso wichtig (wenn nicht sogar wichtiger) WIE es gesagt wird. Wie ist die Körperhaltung, Mimik, Gestik, Tonfall? Welche Formulierungen werden verwendet? Auf welche Weise nimmt das Gesagte die Aussagen des Vorredners auf? Unter welchen Rahmenbedingungen findet das Gespräch statt? Der amerikanische Antrophologe E.T. Hall hat für diese 2 gegensätzlichen Kommunikationsweisen die Begriffe „low-context“ (wenig oder kein WIE)  und „high-context“ (viel WIE) für die interkulturelle Kommunikation geprägt.

Culture Map - Erin MeyerWas passiert, wenn low- und high context aufeinander stoßen? Welche Gefahren der Misskommunikation drohen?

LOW könnte HIGH als unklar, ausweichend und ggf. sogar unehrlich empfinden (weil LOW z.B. erst später realisiert, dass HIGH das Gegenteil von dem gemeint was LOW verstanden hat)

HIGH könnte LOW als unangemessen direkt und unhöflich empfinden, während er gleichzeitig versucht eine „Botschaft zwischen Zeilen“ zu erkennen, die gar nicht existiert.

Erin Meyer hat die Frage aufgeworfen, bei welchen interkulturellen Team-Konstellationen es die stärksten Missverständnisse geben könnte?

  1. 2 Personen, die aus verschiedenen low-context Kulturen kommen? (z.B. Holländer und Kanadier)
  2. 2 Personen, die aus low-context und high-context Kulturen kommen (z.B. Brasilianer und Holländer)
  3. 2 Personen, die aus verschiedenen high-context Kulturen kommen? (z.B. Brasilianer und Chinese)

Sollten Sie auf B getippt haben, liegen Sie leider – wie auch viele andere vor Ihnen – falsch. C ist die kritische Kombination. 2 Kulturen die „zwischen den Zeilen“ reden und hören, dabei aber unterschiedliche entwicklungsgeschichtliche Wurzeln haben und daher die Informationen „zwischen den Zeilen“ völlig unterschiedlich erzeugen und (miss-)verstehen.

Raus aus der Zwickmühle

FRAGE: Wie kann ich mich also aus der Zwickmühle heraus manövrieren, wenn ich ein multinationales/multikulturelles Team habe? ANTWORT: reden Sie low-context!

Die Erfahrung zeigt, dass es Angehörigen von high-context Kulturen leichter fällt, sich auf präzise und klare Worte umzustellen und diese auch selbst zu verwenden, als einem low-contexter die Kunst des „zwischen den Zeilen lesens“ zu verinnerlichen.
WICHTIG ist jedoch, dass sich alle darüber im klaren sind, dass bei low-context das „Lesen der Luft“ nur Verwirrung bringt.

Hallo New York: “Here is your PCM-Key to Me”

brooklyn-bridgeDie Welt rückt über Kontinente und Zeitzonen hinweg zusammen! Diese Woche haben wir ein Process Communication Model ® Profil “The key to me” (key2me) für eine New Yorkerin erstellt und das persönliche Debriefing und Erläuterungsgespräch per Telefon geführt und durch eine Online Präsentation unterstützt. Normalerweise werden PCM Persönlichkeitsprofile mit den Teilnehmern und Coachees im Training oder im 4-Augen Gespräch – fachlich auch ‘Debriefing’ genannt besprochen und bearbeitet.  Aktuell wollte eine amerikanische Coachee ein “Key-to-Me” Profil. Das Profil wurde wie üblich auf der Basis des Process Communication Fragebogens erstellt und der Coachee zugeschickt. Passend zum Profil wurde von key!4c eine PowerPoint Präsentation und kleine Übungen zum Erleben des eigenen Profils erstellt. Die Coachee konnte während des Debriefings mit Uta Nachbaur die Präsentation online verfolgen. Die Übungen waren, ähnlich wie im Coaching, sehr unmittelbar und intensiv, und das persönliche Profil wurde ausführlich besprochen. Das Feedback hat gezeigt: Ob Deutsch oder Englisch, auch über das Telefon und online-Medien lassen sich sehr individuelle Beratungs- und Coachingespräche effizient und individuell führen.

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