Guter Vorsatz ist nicht schwer – Opfer sein dagegen sehr

R. Habeck and M. Söder - Opfer der Kandidaten-Kür

Wie aus poten­ti­ellen Kanzler­kan­di­daten Drama-Opfer wurden … und zwei Wege damit umzugehen

Wieso Drama-Opfer?

Wäre es nicht das reale Leben – schöner könnte man es sich nicht ausdenken. Da küren zwei deutsche Volks­par­teien ihre Kanzlerkandidat*innen und das gemeine Volk bekommt eine extra Lektion aus dem Karpman’schen Drama-Dreieck vorge­führt.Drama Dreieck - Opfer, Verfolger, Retter
Robert Habeck (Grüne) und Markus Söder (CSU) sind mit gutem Vorsatz angetreten Kanzler­kan­didat ihrer Parteien zu werden und finden sich nun  ungewollt in der Opfer-Rolle des Verlie­rers  wieder – und um es mit Ken Blanchard auszudrücken

“Ein Problem besteht nur dann, wenn es einen Unter­schied zwischen dem gibt, was tatsäch­lich geschieht, und dem, was Sie sich wünschen, dass es geschieht.”

Offen­sicht­lich ist aller­dings auch, dass beide diese aufge­zwun­gene Drama-Rolle nicht annehmen – wo kämen wir denn dahin, wenn ich einräumen würde “Ich bin NICHT OK, Ihr seid OK”?

Woher kommst Du? wohin gehst Du?

So unter­schied­lich die 2 Kandi­daten sind, so unter­schied­lich verlief der Weg in die Opfer-Rolle und auch wieder hinaus.

Markus Söder hat das Drama-Spiel schon vor Wochen gestartet. Mit Verve hat er sich in die Retter-Rolle begeben – “Ich bin OK – ihr seid nur OK, wenn Ihr akzep­tiert, dass ich der Beste bin”.
Wer die Spiel­re­geln im Drama-Dreieck kennt, weiß, dass der Retter immer ein williges Opfer für seine Rettungs­ak­tion braucht. Blöd ist es, wenn sich kein Opfer findet bzw. das auser­ko­rene Opfer nicht bereit ist die Rolle zu spielen. Und so hat das Drama seinen Lauf genommen- aus dem Retter Söder wurde das Opfer Söder, ‘abgewatscht’ durch den ‘Verfolger’ in Gestalt des CDU-Vorstands. Aber da das Drama-Dreieck gerade so schön in Schwung war, hat Markus Söder den Spieß wieder umgedreht und hat sich seiner­seits in die Verfolger-Rolle begeben und stichelt seither und preist u.a. seine “Online-CSU-Mitglied­schaft” an, um wiederum die CDU in die Opfer-Rolle zu spielen.

Robert Habeck hat sich – zumin­dest sichtbar – bis zur Verkün­di­gung der Entschei­dung in der Kanzler­kan­di­datur, als eine Persön­lich­keit mit Compas­sion gezeigt. Wer die Bekannt­gabe der Entschei­dung gesehen hat, konnte erahnen, wie schwer es ihm gefallen war, nicht nominiert zu sein. Öffent­lich gemacht hat er seinen inneren Konflikt im Inter­view mit der ‘Zeit’. Und mit diesem Inter­view hat er auch gleich den ersten öffent­li­chen Schritt gemacht, sich nicht von der Dynamik des Drama-Dreiecks mitreißen zu lassen und bei einem Compas­sio­nate Mindset zu bleiben – Offenheit!

Raus aus dem Drama? – Geht das?

Person kicking Drama awayWer seine Energie in das Ausleben der eigenen bevor­zugten Drama-Rolle inves­tiert, lädt die poten­zi­ellen Mitspieler*innen dazu ein, ebenfalls in die eigene Drama-Rolle zu schlüpfen. Auf Dauer drückt das definitiv auf die Stimmung – führt zu einer Atmosphäre des Vermei­dens, der Selbst­zweifel, Abhän­gig­keit, Ableh­nung, Angst, Schuld­zu­wei­sung und ungesundem Konkur­renz­kampfs. So kann keine vernünf­tige Leistung entstehen.
Warum also nicht die vorhan­dene Energie positiv in Compas­sion, in Offen­heit, Lösungs­ori­en­tie­rung und Beharr­lich­keit inves­tieren? Alles beginnt mit Offen­heit. Und Offen­heit ist Entwaff­nung und nicht Schwäche. Lösungs­ori­en­tie­rung im zweiten Schritt heißt aufein­ander zuzugehen und gemeinsam voran­zu­gehen in der Sache. Beharr­lich­keit als dritter Schritt ist Commit­ment und Optimismus das gemein­same Ziel zu errei­chen.
Offen­heit, Lösungs­ori­en­tie­rung und Beharr­lich­keit sind drei wirksame Skills in heraus­for­dernden Kommunikationssituationen.

In diesem Sinne:  Was meinen Sie? Was ist ein guter Umgang mit Niederlagen?

#leadin­gou­tof­drama #conflict­wi­t­hout­ca­su­al­ties

 

Macht­worte sind keine Konfliktlösung!

Die Forschungs­stelle für Wirtschafts­me­dia­tion der TH Köln hat in dieser Woche den „Streit­kul­tur­index für Unter­nehmen und Organi­sa­tionen in Deutsch­land“ veröf­fent­licht. Rund 40% der befragten Führungs­kräfte charak­te­ri­sieren die Streit­kultur in ihrem Unter­nehmen als “konstruktiv, wertschät­zend und respekt­voll, entschei­dungs­ori­en­tiert sowie offen und trans­pa­rent“. Gleich­zeitig sehen 78% der Befragten Fortbil­dungs­be­darf beim Konflikt­ma­nage­ment und 63% beim Kommu­ni­ka­ti­ons­trai­ning für Führungs­kräfte(!) – nun ja, immerhin werden rund 7 von 10 Konflikt­fällen von Führungs­kräften gelöst …

Die dunkle Seite der Streitkultur

Bedenk­li­cher stimmen dann doch die Einschät­zungen, dass 28% der Konflikte verdrängt – also nicht gelöst werden.  Dazu kommen rund ein Viertel (24%) der Konflikt­fälle die durch ein Macht­wort des Vorge­setzten entschieden werden.
Machen wir uns bewusst: ein Konflikt wird in der Regel durch unter­schied­liche Inter­es­sens­lagen, Wahrneh­mungen, Bewer­tungen und/oder Ziele getrieben – Neid und Missgunst kommen ggf. noch erschwe­rend hinzu. Ein Konflikt der verdrängt, der also nicht ausge­tragen und gelöst werden kann, bindet Energie und behin­dert Motiva­tion bei allen Betei­ligten. Meine Erfah­rung ist, dass ein Streit oder Konflikt nicht aus den Köpfen und Herzen der Kontra­henten verschwindet – nur “weil nicht sein kann, was nicht sein darf”. Das Thema nimmt die Konflikt­par­teien weiterhin gefangen, auch wenn es dies gemäß Unter­neh­mens-Leitbild, Policies oder infor­mellen Verhal­tens­re­geln nicht soll.

Die dunkle Seite der Macht

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Und beim “Macht­wort”? – Nun der Begriff sagt eigent­lich alles. Wer Macht ausübt, zwingt anderen seinen Willen auf. Wenn eine Führungs­kraft ein Macht­wort spricht, dann gibt es mindes­tens ein Opfer. Opfer in dem Sinne, dass mindes­tens eine Person in diesem Konflikt ganz oder teilweise unter­liegt, da sie ihr Ziel nicht durch­setzen konnte. Das Opfer nicht zu den produk­tivsten Zeitge­nossen gehören, ist spätes­tens seit den Erkennt­nissen von Dr. Stephen Karpmans Drama­dreieck vielen Menschen bekannt. “Opfer sein” kann sich in Frustra­tion, mangelndem Selbst­wert­ge­fühl, Demoti­va­tion, Demora­li­sie­rung, Illoya­lität, reduzierter Arbeits­leis­tung und ‑qualität ausdrü­cken. Damit wird auch deutlich, dass ein “Macht­wort” nicht nur Opfer unter den Mitar­bei­tern fordert, sondern mittelbar auch das Unter­nehmen schädigt.

Selbst­kri­ti­sche Erkenntnis der Führungskräfte

Die befragten Führungs­kräfte haben es in ihrer Selbst­re­flek­tion bereits formu­liert – der Bedarf für ein wirkungs­volles Konflikt­ma­nage­ment und effek­tive Streit­kultur ist groß.
Es geht um Konflikte ohne Opfer und Verluste, um eine Streit­kultur die auf Offen­heit, Lösungs­ori­en­tie­rung und Beharr­lich­keit basiert. Gefragt sind Konflikt­lö­sungs­stra­te­gien, die die Energie, die in den “Graben­kriegen” negativer Konflikt­be­ar­bei­tung vernichtet wird, in die Gestal­tung positiver, kreativer und innova­tiver Lösungen umlenken.
Konflikte benötigen ein aufein­ander Zugehen, ein einander Zuhören, gegen­sei­tiges Verständnis und den Willen und die Bereit­schaft eine Lösung ohne Verlierer zu schaffen.
Die Kernbot­schaft für eine effek­tive Streit­kultur lautet COMPASSIONATE ACCOUNTABILITY. Das engli­sche Wort “Compas­sion” geht dabei weit über Mitge­fühl und Empathie hinaus, weil es das Bedürfnis zu Unter­stützen beinhaltet. Und wer selbst verläss­lich und vertrau­ens­voll – accoun­table – ist, legt die Grund­lage für einen offenen, vertrau­ens­vollen Umgang miteinander.

LOD_Logo_Verticle_ColorCompas­sio­nate und Accoun­table zu sein ist eine Haltung, eine Fähig­keit. Es fällt nicht immer leicht, da unsere angebo­renen und erlernten Verhal­tens­muster gerne quer schießen – insbe­son­dere in Situa­tionen hoher psychi­scher Belas­tung und fehlender Energie.
Die gute Nachricht – Sie können mit dem “Compas­sion Cycle” von Leading Out of Drama Ihre Compas­sion Fähig­keiten und Fertig­keiten trainieren, und damit nachhaltig Ihr positives Verhalten in Konflikten stärken.