Katalonien Konflikt Verlierer

Sind Sie ein guter Verlierer?

Ich finde – Verlierer sein macht nur selten Spaß. Für mich ist es leichter, wenn es um nichts geht, wenn es “nur” ein Spiel ist, bei dem der Spaß am Mitein­ander das Ziel ist. Nicht umsonst habe ich jahre­lang mit “Mensch ärgere Dich nicht” und “Monopoly” trainiert. Auch im fairen Wettbe­werb, beim Sport, oder beim Mitbe­werb um einen Kunden, kann ich dem Verlieren meistens gut umgehen. Oft ist es dann sogar Motiva­tion und Ansporn – denn beim nächsten Mal klappts bestimmt …
Hand aufs Herz: Wie steht es mit Ihnen?

Verlierer sein ist OK … wenn es nicht so wichtig ist

Schwer wird das Verlieren für mich, wenn meine Werte und Überzeu­gungen und die damit verbun­denen Ziele in Mitlei­den­schaft gezogen werden. Dann gilt für mich – wie für jeden anderen auch: “Ein Konflikt ist die Diffe­renz zwischen dem was ich erwarte und dem was ich bekomme”. (Wer mit Geschwis­tern aufge­wachsen ist, kennt vermut­lich auch den Spruch: “Der Klügere gibt nach”. Und als der Klügere fragt man sich “… was ist klug daran eine ‘falsche’ Sache zu akzep­tieren, nur um ‘des lieben Frieden’ willens?”)

Wo Menschen sich für eine Sache einsetzen, wo Dinge und Situa­tionen einen Wert für sie haben, da ist die Rolle des Verlie­rers – des Opfers – schwer zu tragen. Einige tragen sie mit Resigna­tion und Jammern, andere mit Frustra­tion, Ärger und (verbalem) Angriff und eine weitere Gruppe mit einer “Jetzt erst recht! Denen werd ich es zeigen” Menta­lität, denn Schuld ist ja die Gegen­seite.

Diese Erkenntnis vor Augen, stellt sich die Frage:

Was passiert gerade in Katalo­nien?

Ein nicht unerheb­li­cher Teil der katala­ni­schen Bevöl­ke­rung sieht Katalo­nien als eigene Nation, mit eigener Kultur, eigener Sprache und leistungs­fä­higer Wirtschaft. Dazu kommt noch das Gefühl, durch den Rest des spani­schen König­reichs nicht ausrei­chend geschätzt und für ihre wirtschaft­liche und steuer­liche Leistung anerkannt zu sein. …Die besten Voraus­set­zungen für einen handfesten Konflikt!

Gibt es in diesem Prozess Gewinner und Verlierer
… oder vielleicht sogar nur Verlierer?
Kann es eine Win-Win Lösung geben?

Die spani­sche Regie­rung in Madrid hat sich für den Weg des Macht­worts entschieden. Sie hat ihn mit dem Versuch der Unter­bin­dung des Unabhän­gig­keits­re­fe­ren­dums begonnen und mit der Auflö­sung des Regio­nal­par­la­ments und Haftbe­fehlen manifes­tiert.

Macht­worte sind keine Konflikt­lö­sung

Aus Sicht der spani­schen Verfas­sung ist dies zulässig und juris­tisch Korrekt – aus der Sicht einer Konflikt­lö­sung der Schritt in die falsche Richtung.
Ein Referendum dieser Art und in dieser Weise mag nach der spani­schen Verfas­sung nicht zulässig sein. Dennoch ist zu überlegen, welchen Schaden und welchen Nutzen dieses Stimmungs­bild hätte anrichten können. In erster Linie hätte es gezeigt, wie es tatsäch­lich um den katala­ni­schen Unabhän­gig­keits­willen steht. Das Meinungs­bild nicht zu kennen bedeutet nun mal nicht, dass es nicht existiert. Im Gegen­teil, der gewalt­same Versuch das Referendum zu unter­binden, hat die Front der Befür­worter eher gestärkt, ohne zu wissen wie es wirklich in Katalo­nien steht. Und Menschen die vor der Staats­ge­walt zurück­schre­cken, sind deshalb nicht jubelnde Anhän­gern des Parla­ments und des Königs in Madrid.
Warum sich die Konflikt­par­teien danach nicht auf eine Konflikt­lö­sung zubewegen konnten mag ich nicht zu durch­schauen. Fakt ist, dass das Regio­nal­par­la­ment in Barce­lona keine andere Wahl sah, als die Unabhän­gikeit auszu­rufen und damit ein 2tes Macht­wort provo­ziert hat.

“Macht­worte sind keine Konflikt­lö­sung!” Sie schaffen mindes­tens auf einer Seite Verlierer. Und Verlierer sind demoti­viert, frustriert, ärger­lich, angriffs­lustig und im schlimmsten Fall rachsüchtig. Alles keine Eigen­schaften, die die Wahrschein­lich­keit für ein freun­schaft­li­ches und zugewandtes Mitein­ander erhöhen. Der Gewinner steht vielleicht juris­tisch fest, aus der Konflikt­per­spek­tive gibt es wohl eher einen 2ten Verlierer.

Verlierer sind schwie­rige Unter­tanen

Ich bin sicher, dass mit dem derzeit in Madrid einge­schla­genen Weg eine nachhal­tige Bewäl­ti­gung der Katalo­nien-Krise nicht möglich ist.
In einem Unter­nehmen trennt man sich von proble­ma­ti­schen Mitar­bei­tern, oder diese kündigen selbst, wenn die Situa­tion unbefrie­di­gend ist. Für einen Staat im Konflikt mit seinen Regio­nal­staaten und dessen Bevöl­ke­rung funktio­niert das nicht.
Ein Weg zurück auf die Win-Win Ebene ist nur in einem offenen, lösungs­ori­en­tierten und verläss­li­chen Aufein­an­der­zu­gehen möglich ‑auf Augen­höhe, der Bereit­schaft zum Perspek­tiv­wechsel und dem Willen zu einer gemein­samen Lösung. 


Copyright – Frank Schöfisch, key!4c

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