Das 7–38-55 Missver­ständnis – das passende Gesicht allein ist auch keine Lösung!

von | 21. Sep 2023

Mann mit ärgerlicher Maske

… es sei denn, es geht um Emotionen

Was Ihnen unwis­sende Kommu­ni­ka­ti­ons­trainer erzählen

Als Alfred Mehrabian im Jahr 1967 zwei Versuche konzi­pierte und durch­führte, konnte er nicht ahnen, welche dubiosen Inter­pre­ta­tionen seine Ergeb­nisse auslösen würden.
Wer sich mit dem Thema Kommu­ni­ka­tion beschäf­tigt, stößt irgend­wann unwei­ger­lich auf die 7–38-55 Formel: über 50 Jahre alt, unzäh­lige Male zitiert – aber überwie­gend falsch! Angeb­lich würde nur 7% unserer Kommu­ni­ka­tion über den Inhalt (verbal), dafür aber 38% über den Tonfall  und 55% über Körper­sprache (nonverbal) ablaufen. Was bei der Verbrei­tung dieser Zahlen leider meist vergessen wird, ist der nachdrück­liche Hinweis Mehrabians, dass die wissen­schaft­li­chen Unter­su­chungen nur für ganz bestimmte Situa­tionen Gültig­keit haben. Da sie nur mit einzelnen emotio­nalen Worten, Tonfall und Mimik durch­ge­führt wurden, gelten auch die Ergeb­nisse (und damit die Formel) auch nur für emotio­nale Botschaften. Oder wie er es selbst gerne in Inter­views beschrieben hat: wenn sie einen Vortrag oder Präsen­ta­tion über eine techni­sche Innova­tion halten, dann ist die Wirkung niemals 93% nonverbal, sondern wird durch den Inhalt bestimmt; wenn sie sich dann hinterher herzlich und bewegt für das Zuhören und den Applaus bedanken, dann gilt die Formel.
Zusam­men­ge­fasst sagt die Mehrabian-Formel daher: wenn ich eine emotio­nale Botschaft erhalte, bei der ich eine Diskre­panz zwischen verbalem und nonver­balem Anteil erlebe, dann bewerte ich die Glaub­wür­dig­keit zu 7% über den Inhalt, zu 38% über den Tonfall und zu 55% über die Mimik.

Wenn Mehrabian nicht hilft – wer hilft mir dann?

Alfred Mehrabian ist zum Glück nicht der einzige Wissen­schaftler, der sich mit Kommu­ni­ka­tion beschäf­tigt hat. Vielen kommt beim Stich­wort “Kommu­ni­ka­tion” vermut­lich noch Paul Watzla­wick und sein berühmtes “man kann nicht nicht kommu­ni­zieren” in den Sinn. Egal ob wir mit oder ohne Worte kommu­ni­zieren, unsere Gegen­über können körper­liche Merkmale wahrnehmen, die infor­ma­tionen über unsere Stimmung, Emotionen oder Einstel­lungen in der aktuellen Situa­tion geben. Oft passiert das sogar unbewusst. Und jedes Gegen­über betrachtet das Geschehen durch den eigenen Wahrneh­mungs­filter, und der ist durch die eigene Persön­lich­keits­struktur und eigene Erfah­rungen geprägt.
5 Beobachtungen in der KommunikationDer Psycho­loge und Kommu­ni­ka­ti­ons­spe­zia­list Taibi Kahler (vielen bekannt als der Entde­cker der “inneren Antreiber”: “sei perfekt”, “sei stark”, “streng dich an”, “mach’s anderen recht”, “beeil dich”), hat in seinen, von der NASA geför­derten, Arbeiten zum ‘Process Commu­ni­ca­tion Model’ weitere wichtige Kommu­ni­ka­ti­ons­merk­male identi­fi­ziert. Eine Botschaft wird auf der empfan­genden Seite nur dann als authen­tisch und glaub­würdig wahrge­nommen, wenn mindes­tens 3 dieser 5 Merkmale zusam­men­passen. Neben den von Mehrabian bereits verwen­deten Mimik und Tonfall, sind dies noch Wortwahl (es gibt verschie­dene Varianten, mit Worten den gleichen Sachver­halt darzu­stellen), Gestik und Körper­hal­tung. Und das gilt für alle Botschaften die übermit­telt werden sollen – nicht nur Emotionen.

Welche Merkmale machen für Sie eine Botschaft authen­tisch? Achten Sie mal drauf, wenn Sie die nächsten Botschaften erreichen.

#PCMWorks

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