Emotionen im Konflikt

“Geteiltes Leid ist halbes Leid!” – Was der “Volks­mund” sagt hat meist viel Wahres. Immerhin ist es das Ergebnis langjäh­riger Erfah­rungen. Doch wenn es um Konflikte geht, irrt die Volks­weis­heit.
Ja es tut gut, in leidvollen und schwie­rigen Situa­tionen andere bedin­gungslos auf meiner Seite zu wissen. Es ist wunderbar und richtig, wenn physi­sche Gefahr droht, ob Unwetter oder gar Hungersnot. Wenn es um handfeste Konflikte und Streit geht, können Allianzen die Situa­tion aller­dings verschlim­mern, dann dreht sich die Formel und aus “halbem Leid” wird mögli­cher­weise “doppeltes Leid”! Wie kann das sein?
Die Frage ist, welche Rolle ich im Konflikt einnehme?
Wenn ich mich in einem Konflikt als Opfer fühle und nach einer hilfrei­chen Allianz suche, besteht die Gefahr, dass mich mein Unter­stützer in meiner Opfer­rolle bestärkt, die Ungerech­tig­keit, Unfair­ness mit mir anpran­gert und mit mir leidet. Die Folge sind im schlimmsten Falle zwei Opfer. Der Konflikt selbst ist bestä­tigt und keines­falls halbiert.
Handle ich im Konflikt als Angreifer oder Retter und dazu noch “im Duett“ mit einer Allianz, die sich auf meine Seite schlägt, dann sehe ich mich in meinem unpro­duk­tiven Konflikt­lö­sungs­an­satz bestä­tigt und hinter­lasse dabei ein doppelt-frustriertes Opfer oder finde mich im Gegen­an­griff wieder.
Wie man es auch dreht – im negativen Konflikt halbiert sich das Leid nie..

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