Das Wörter­buch irrt! – Weil Compas­sion mehr als (nur) Mitge­fühl ist!

von | 8. Nov. 2022

Compassion - Letters in a stone bench

Compas­sion – “makes the world go around”

Ein anderes Wort für Compas­sion – Ich würde ja … wenn ich könnte

Immer wieder werde ich mit der Frage konfron­tiert, warum ich immer das engli­sche “Compas­sion” und nie das deutsche “Mitge­fühl” verwende.
Die Antwort ist einfach:  weil die korrekte Bedeu­tung für Compas­sion mehr ist als nur Mitge­fühl.
Zugegeben, die gängigen “Englisch-Deutsch” Wörter­bü­cher nennen “Mitge­fühl” als Überset­zung – dies liegt jedoch nicht daran, dass es die korrekte 1 zu 1 Überset­zung ist, sondern mit der engli­schen Bedeu­tung von Compas­sion nur die größte Schnitt­menge hat.

Von passiv zu aktiv

Die latei­ni­sche Wurzel des Wortes Compas­sion sind die Vorsilbe com und das Wort pati, was gemeinsam (er)leiden oder mitleiden bedeutet. Wer mit einer anderen Person leidet, hegt mehr als Sympa­thie und geht auch über Empathie hinaus.
Merriam-Webster (der engli­sche “Duden”) definiert Compas­sion als sympa­thetic conscious­ness of others’ distress together with a desire to alleviate it – also das “mitfüh­lende Bewusst­sein für das Leid/die Notlage anderer, verbunden mit dem Wunsch, sie zu verrin­gern. Und dieser “Wunsch zu verrin­gern” macht den entschei­denden Unter­schied: während “mitfühlen” eine passive Reaktion ist, hat “verrin­gern” eine aktive Kompo­nente.
Und diese Aktivität macht für mich den den Unter­schied aus:  Compas­sion ist soviel mehr als Mitge­fühl! Und es gibt kein vergleich­bares deutsches Wort.

Ohne Compas­sion bleiben wir stecken

Und genau dieses aktive Bereit­schaft zu “verrin­gern”, zu helfen, zu unter­stützen – oder wie immer wir es auch gerne nennen – schafft die Basis für ein positives und konstruk­tives Mitein­ander. Wenn jemand mit mir “mit fühlt”, dann haben im schlimmsten Fall 2 das gleiche unange­nehme Gefühl. Damit wird weder mir, dem “mitfüh­lenden” Menschen oder der Situa­tion geholfen. Auch die Weisheit vom “geteilten Leid ist halbes Leid” ändert im ersten Moment nichts, solange ich das “Leid” nur gemeinsam betrachte. Die Teilung und die Verrin­ge­rung des Leids beginnt genau dann, wenn ich mit der Unter­stüt­zung anderer an einer Lösung arbeite. Darum ist Compas­sion für mich so viel mehr als Mitge­fühl. Es ist der Motor für ein gemein­sames Ringen für Lösungen, für Innova­tionen, für ein kreatives, produk­tives und positives Miteinander.

 

2 Kommen­tare
  1. Cornelia Dittmer

    Wow, das ist es, was eigent­lich meinen roten Sinn- und Lebens­faden ausmacht. Ich bin 65, Kriegs­enkelin, auf dem Dorf gross geworden, in den 60ern mit all den Begleit­um­ständen. Mit all dieser Compas­sion und ohne es gelernt zu haben, für mich selbst gesunde Grenzen zu ziehen, habe ich vielen um mich herum als Hebamme von meiner Compas­sion geschenkt und bin mir selbst darüber verloren gegangen. Nach den letzten 10 Jahren Suche an den falschen Stellen finde ich jetzt wieder nach Hause zu mir: ich darf Compas­sion für mich selbst anwenden und darf Menschen mein Herz wieder öffnen, die mich mit wirklich und authen­tisch mit ihrer Compas­sion halten und unter­stützen wollen. Danke für deine Raumver­grös­se­rung von Compassion.

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    • Frank

      Liebe Cornelia, vielen Dank für die Offen­heit mit der Du Deine Verbin­dung, Dein Erleben und auch “Nicht-Erleben” von Compas­sion geteilt hast.
      Ich kann Deine Erfah­rungen sehr gut nachvoll­ziehen. Gerade jene Menschen in Berufen, die – so wie Du – so dicht am und mit Menschen arbeiten und in denen soviel Engage­ment und Herzblut für das Wohl der Anderen aufge­bracht wird, spüren das viel zu häufige Missver­hältnis zwischen dem was man hinein gibt und was man zurück erhält beson­ders. Ich freue mich, dass mein Beitrag eine neue(?) Perspek­tive für Dich aufma­chen konnte.

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