M. Slomka und S. Gabriel - Misskommunikation - Screenshot ZDF heute-journal (c)

Es geht einfach nichts über ein spannendes Live-Interview. Ende November konnten die heute-journal Zuschauer erleben, wie zwei Interviewpartner im Distress aneinander hoch gingen – quasi Misskommunikation „zum Anfassen“. Was war passiert? Sigmar Gabriel wurde von Marietta Slomka zum Thema ‚Befragung der SPD-Basis zum Koalitionsvertrag‘ interviewt. Wer genau hingehört hat, konnte sehr schnell merken, dass der Prozess der Kommunikation bereits im ersten Wortwechsel ins Straucheln geriet.

SLOMKA: „… und wenn man da zugehört hat, hat man gemerkt, da gibts schon auch noch einigen Gegenwind. Also ein Selbstläufer wird das wohl nicht, diese Befragung, oder?“
GABRIEL: „Also dann  müssen Sie eben nicht zugehört haben, wenn Sie diese Meinung haben. Hiers gabs eine große Zustimmung zu dem was mir machen, aber das hat man vielleicht in Mainz nicht hören können.“

Zwei starke Meinungsmenschen prallen aufeinander. Im Schlagabtausch wird Aussage von Person 1 unvermittelt neben die Meinung von Person 2 gesetzt und in der Folge das Zitat von Person 2 neben die nächste Aussage von Person 1, ohne dass die Feststellung des jeweils Anderen zunächst als solche respektiert wurde. Und hier ist ausdrücklich nicht Akzeptieren gemeint. Meinungsmenschen, die den Eindruck haben, nicht „gehört“ zu werden mit ihrem Faktenwissen, ihrer Erfahrung, ihrem Engagement und ihrer Meinung, geraten leicht in psychischen Stress; sie fangen an bohrend nachzuhaken und zu predigen. Auch in diesem Interview treten die Stressmuster sehr offen zu Tage.

Wer Kommunikation gestaltet, hört den anderen und artikuliert es, bevor er seine  Fakten oder Meinung dagegen setzt. Das öffnet die Ohren des Gegenübers, vor allem dann, wenn das Gegenüber ein Meinungsmensch ist. Sagen Sie nicht, „Nein, ich denke anders …“ oder „Ja, aber …“!. Sagen Sie vielmehr etwas wie „ich höre Ihre Meinung und sehe Ihre Argumente und ich denke anders“ und schließen Sie dann Ihre Meinung und Ihre Argumente an. Sie werden die Erleichterung bei Ihrem Gegenüber merken. Wer sich mehr dafür interessiert, findet im Process Communication Model ® viele Hinweise, wie Sie durch das „Wie“ der Kommunikation Typen und psychische Bedürfnisse erkennen und Kommunikation gestalten können.

Wie wäre das Interview wohl weitergegangen, wenn Herr Gabriel zu Beginn des Interviews auf die erste Frage nicht mit einem Angriff sondern mit einem Satz wie dem folgenden geantwortet hätte: „Das ist Ihr Eindruck von der heutigen Veranstaltung. Für mich stellt sich das anders dar. Natürlich gibt es auch einzelne kritische Stimmen. Über alle Teilnehmer betrachtet haben wir jedoch eine große Zustimmung bekommen für das, was wir machen.“

Öffnen Sie die Ohren des Anderen. Den anderen hören und dies zu zeigen, kostet wenig und fördert stressfreiere und effizientere Kommunikation, vermeidet Misskommunikation.

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