Kann Ihre Perspek­tive Ihre Energie und Ihre Leistung beeinflussen?

von | 14. Apr 2021

Wie kann unsere Perspek­tive auf uns selbst und auf unser Arbeits­um­feld unsere Ergeb­nisse und Bezie­hungen beeinflussen?

Wie blicken Sie nach einem Jahr Covid und Lockdown auf die Gescheh­nisse und wie geht es Ihnen mental?

Ich selbst habe das letzte Jahr damit begonnen, kurzfristig zu planen und momen­tane Probleme zu lösen, wie z.B. die Verla­ge­rung von Vor-Ort-Coaching und Training in die virtu­elle Welt und die Verein­bar­keit von Business, Homeschoo­ling, Familie und Partnerschaft.

Manchmal fühlte ich mich stark und fähig und manchmal einfach nur geschoben und getrieben. Manchmal sah ich mich selbst am Steuerrad und manchmal sah ich mich herum­ge­schleu­dert, ohne zu wissen, wohin ich als nächstes abbiegen sollte. Diese Situa­tion beein­flusste auch meine Gedanken, Gefühle und wie ich auf andere und auf Situa­tionen reagierte.

Ich fühlte mich nicht in der Kontrolle über meinen emotio­nalen Zustand und meine Gedanken. Zu dieser Zeit stieß ich auf ein Trainings­pro­gramm für mentale Fitness. Ich habe es studiert und prakti­ziere es seitdem mit großer Wirkung. Mentale Stärke ist laut der Gründerin von Positive Intel­li­gence, Shirzad Chamine, “die Fähig­keit Ihres Geistes, Ihre Gedanken, Emotionen und Handlungen in einer positiven und konstruk­tiven Weise zu steuern, wenn Sie mit schwie­rigen Situa­tionen konfron­tiert werden.”

Hier sind einige Aha-Erleb­nisse und Quick Wins, die Sie sofort anwenden können:

Unser Gehirn ist manchmal unser Feind und manchmal unser Freund:

Im Jahr 2005 veröf­fent­lichte die National Science Founda­tion einen Artikel, der die Forschung über die mensch­li­chen Gedanken pro Tag zusam­men­fasste. Sie fand heraus, dass der durch­schnitt­liche Mensch etwa 12.000 bis 60.000 Gedanken pro Tag hat. Von diesen Tausenden von Gedanken waren 80 % negativ, und 95 % waren genau dieselben sich wieder­ho­lenden Gedanken wie am Vortag. Eine der Tendenzen unseres Geistes ist es also, sich auf das Negative zu konzen­trieren und sogar das Negative zu wieder­holen. Es gab eine weitere Studie von 2005 von der Cornell Univer­stiy. Die Wissen­schaftler hatten heraus­ge­funden, dass 85% dessen, worüber wir uns Sorgen machen, nie eintritt. Und von den 15% der Sorgen, die doch eintreten, konnten 79% entweder viel besser als erwartet bewäl­tigt werden, oder die Schwie­rig­keit brachte ihnen eine sehr wertvolle Erfah­rung. Alles in allem lautet die Schluss­fol­ge­rung, dass 97% unserer Sorgen unbegründet sind und aus einer unbegrün­deten pessi­mis­ti­schen Wahrneh­mung resultieren.

Da sich unsere Ängste oft unbewusst einschlei­chen, gibt es eine Möglich­keit, diese unpro­duk­tiven Gedanken und Gefühle zu kontrollieren?

Werden Sie sich Ihrer mentalen Fallen bewusst und fangen Sie Ihre Saboteure ab:

Der erste Schritt ist, sich bewusst zu machen, wenn diese Saboteure auftau­chen und negative Gedanken und Emotionen verur­sa­chen. Wenn Sie sie benennen können, können Sie sie kontrol­lieren und loswerden. Deshalb ist es von großer Bedeu­tung, sich der Annahmen und Lügen bewusst zu werden, die sie Ihnen erzählen, und der negativen Auswir­kungen, die diese Saboteur-Einstel­lungen, ‑Gedanken und ‑Emotionen auf Sie selbst und andere haben. Das hilft, sie zu entlarven und zu entlassen.

Um nur einige zu nennen: Kennen und erkennen Sie den Leistungs­fa­na­tiker in Ihnen oder anderen, der Ihnen sagt, dass Sie der Beste sein müssen, um es wert zu sein. Oder gibt es vielleicht den Pedanten, der Perfek­tio­nismus predigt, oder einen Über-Wachsamen mit chroni­schen Zweifeln, der überall Risiken sieht und nicht zur Ruhe kommt. Oder was wollen Ihnen Ihre Saboteure weismachen?

Im Selbst­steue­rungs­modus bleiben

Was ist ein guter Ausweg, wenn Sie Ihre Saboteure benannt und abgefangen haben?
Indem Sie sich bewusst auf Empfin­dungen konzen­trieren, können Sie aktiv von Ihrem Saboteur-Gehirn, in dem Stress­re­ak­tionen residieren, zu Ihrem Weisen-Gehirn wechseln, in dem Kreati­vität und klare, laser­fo­kus­sierte Aktionen vorherr­schen. Auf diese Weise steuern Sie Ihr Gehirn, anstatt sich von Ihren Saboteuren steuern zu lassen.

Hier ist eine kleine Übung zum Auspro­bieren. Sie mag banal erscheinen, ist aber höchst wirkungs­voll, wie persön­liche Erfah­rungen zeigen und die Forschung belegt. Sie können Ihren Tastsinn nutzen, um Ihre Selbst­steue­rung zu aktivieren:

“Sensation-of-touch”-Übung:

Wenn Sie können, ist es effek­tiver, wenn Sie während der Übung die Augen schließen. Atmen Sie ein paar Mal tief ein. Reiben Sie nun die Finger­spitzen sanft gegen­ein­ander, und zwar mit einer solchen Spannung, dass Sie die feinen Rillen und Rippen an beiden Finger­kuppen spüren können. Machen Sie dies für ca. 20 Sekunden. Wenn Gedanken auftau­chen, lassen Sie sie sanft los und konzen­trieren Sie sich wieder auf die Empfin­dung. Berühren Sie nun das Gerät, auf dem Sie diesen Blog lesen, und spüren Sie alle Sinnes­ein­drücke an Ihren Finger­spitzen – spüren Sie seine Beschaf­fen­heit, spüren Sie seine Tempe­ratur. Bewegen Sie sanft Ihre Finger­spitzen, damit Sie mehr spüren können. Tun Sie dies für ca. 30 Sekunden. Nun öffnen Sie die Augen.

Was nehmen Sie wahr? Spüren Sie Gelas­sen­heit oder weniger Gedan­ken­schwirren? Wie war diese kleine Übung für Sie?

Wenn Sie wollen, wieder­holen Sie kleine Berüh­rungs­emp­fin­dungs­übungen über den Tag verteilt. Was immer Sie tun, nehmen Sie nur kurz die Berüh­rung wahr. Achten Sie auf die Beschaf­fen­heit und Tempe­ratur der Kaffee­tasse, die Sie in der Hand halten, oder auf den Türgriff, den Sie drehen, oder auf den Aufzugs­knopf, den Sie drücken, oder auf die Tastatur, auf der Sie tippen.

Das verschafft Ihrem Gehirn eine kleine, wertvolle Pause und bringt Sie zurück auf den Fahrer­sitz Ihres Gehirns. So haben Sie mehr Kontrolle über Ihre Gedanken, Handlungen und Gefühle als Ihre Saboteure. Und Sie werden vielleicht einen Unter­schied darin feststellen, wie Sie mit den Heraus­for­de­rungen Ihres Tages umgehen.

Wechseln Sie die Perspektive

Mehr Selbst­kon­trolle versetzt Sie zu mehr Glück, indem Sie die “weise” Perspek­tive nutzen, in all Ihren Heraus­for­de­rungen Chancen, Geschenke und Möglich­keiten zu sehen, anstatt sie als negativ zu bewerten und das Schlimmste zu befürchten.

Was bedeutet glück­lich sein? Fragen Sie sich selbst: Habe ich in den letzten Stunden vor allem positive Emotionen wie Frieden, Dankbar­keit, Empathie, Liebe, Neugierde, Freude an Kreati­vität, Freude an klarem Denken und derglei­chen gespürt? Wenn ja, können Sie sagen, dass Sie glück­lich waren. Wenn Sie dagegen überwie­gend negative Emotionen wie Stress, Angst, Wut, Scham, Schuld, Vorwürfe, Selbst­zweifel und ähnli­ches empfunden haben, dann könnten Sie sagen, Sie waren unglücklich.

Probieren Sie aus, was Sie errei­chen können, wenn Sie die “weise” Perspek­tive der positiven Emotionen einnehmen und sich sicher sind, dass jedes Ergebnis und jeder Umstand in ein Geschenk und eine Chance verwan­delt werden kann. Schauen Sie sich die Ereig­nisse Ihres Tages an, die bei Ihnen negative Emotionen auslösen, und entlarven Sie das negative Gedan­kengut einfach als Lüge und lassen Sie es los.

Es gibt eine psycho­lo­gi­sche Regel

Wenn Sie eine Situa­tion betrachten, ist Ihre Saboteur-Perspek­tive “das ist schlecht” und Ihre Weise-Perspek­tive ist “das ist ein Geschenk und eine Chance”

 

Die Antwort auf die Frage, “welche Perspek­tive ist wahr?” ist: Was immer Sie glauben, wird wahr! Es lohnt sich, es auszuprobieren.

Ich hoffe, dieser Artikel war hilfreich für Sie, um neue Wege im Umgang mit Ihren Heraus­for­de­rungen auszu­pro­bieren. Für mich spielt mentale Fitness eine große Rolle, denn ich erlebe nachhal­tige Effekte des Übens von Mental­trai­ning auf meine Ergeb­nisse und auf mein Wohlbefinden.

Die Autorin:

Dr. Uta Barbara Nachbaur ist Führungs­kräfte- und Karriere-Coach und Trainerin, spezia­li­siert auf Führung, mentale Fitness, Kommu­ni­ka­tion, Konflikt und inter­kul­tu­relle Navigation.

Ich freue mich, Ihre Kommen­tare zu lesen

Dr. Uta B. Nachbaur
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